Maria Schwarz: Ein Ruhepol auf dem Pferdehof

0
1

Maria betrat Neuland, hatte doch Josef den traditionellen Hof kurz zuvor in einen Pferdehof umgewandelt. Als erfolgreicher Traktorverkäufer holte er sich die Anregung dafür auf dem britischen Schloss Windsor, das er auf einer Dienstreise besuchte. “Maria tat sich leicht mit den Pferden, sie ritt sogar auf die Felder, um unseren Arbeitern die Jause zu bringen”, erinnert sich Josef Schwarz.

Küchenkoryphäe

Marias Reich war die Küche, die eher einem Großbetrieb glich als einer bäuerlichen Stube. Bei Turnieren, derer es auf dem Hoanzlgut jede Menge gab, waren bis zu 200 Personen zu verköstigen. Neben der Betreuung ihrer beiden Kinder schaukelte das die junge Chefin mit links. “Sie hat sich so leicht getan, dass sie schon damals gerne jene unterstützte, die es schwerer hatten.”

“Ihre Apfelschlangerl waren berühmt bis Schweden”, sagt Josef. Manche Turnierrichter knüpften ihr Kommen an die Bedingung, dass sie unbedingt wieder serviert werden müssten. Dass dafür zuvor tagelang gearbeitet werden musste, versteht sich von selbst. “Frau Schwarz war bei all den vielen Aktivitäten am Hoanzlhof immer der starke Pfeiler im Hintergrund, und sie hat sich für die umsichtige Versorgung ihrer Gäste einen Namen gemacht”, sagt Bürgermeister Jürgen Wiederstein.

In Erinnerung bleibt auch so mancher Tarockabend, den Maria liebend gerne mit Freunden, unter anderem dem damaligen Ortspfarrer Franz Eschlböck, bestritten hat. Zeit fand sie auch für ihre Standeskolleginnen, deren Ortsbauernobfrau sie einige Jahre war. Wenn es galt, sich ein wenig herauszuputzen, kam Nachbarin Hermine Ackerl als Friseurin und staunte, dass an Maria kein einziges graues Haar zu entdecken war. Genauso war es wieder im vergangenen Jänner anlässlich Marias letzter Geburtstagsfeier, bei der sie an die 20 Gäste bekocht hat. Klar, dass dabei Apfelschlangerl serviert wurden. Zwei Monate später hörte ihr Herz zu schlagen auf. Einer ihrer letzten Aufträge an die Familie: “Bleibt ruhig, weil ich bin bei euch!”

Artikel von

Bert Brandstetter

Bert Brandstetter