Unter Kopftuch-Trägerinnen: Raab startet Österreich-Tour

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Integrationsministerin Susanne Raab startet eine Zuhör-Tour. Auf ihrer ersten Station lauschte sie Frauen aus dem Irak und Syrien.

von Christian Böhmer

Die Frauen haben klingende, wenn auch ungewohnte Namen. Sie heißen Belques, Naswa und Sulafa. Nur so als Beispiel. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien und dem Irak.

Einige tragen Kopftuch, andere nicht. Einige sprechen Deutsch, die anderen noch nicht.

Doch ihnen allen ist gemein: Sie sind noch fremd hier in Österreich und versuchen in Kursen zu lernen, wie das alles funktioniert: Der Arbeitsmarkt, die Gleichberechtigung, die Gesellschaft an sich. 

So steht es in der Integrationsvereinbarung, die die Frauen unterschrieben haben, und die ihnen abverlangt, dass sie solche Kurse machen.

Heute sitzt ein besonderer Gast mit im Sesselkreis in Österreichs größtem Integrationszentrum, dem Standort des Integrationsfonds in Wien-Landstraße: Susanne Raab, 36, die neue Bundesministerin für Integration und Frauen. 

Die frühere Sektionschefin startet an diesem Freitag ihre “Fördern und Fordern”-Tour.

100 Beratungen finden jeden Tag allein in diesem ÖIF-Zentrum statt. Es gibt Werte-, Orientierungs- und Sprachkurse. Und alle sind dazu gedacht, um den Menschen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen.

Susanne Raab will später auch hinaus in die Bundesländer. “Best practise”-Beispiele bei NGOs und öffentlichen Institutionen anschauen. “Nur vom Schreibtisch im Ministerium aus kann man keine gute Integrationspolitik machen”, sagt einer ihrer Mitarbeiter. Da ist viel Wahres dran.

© Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

“Es ist eine große Ehre, dass Sie uns besuchen”, sagt eine der beiden Frauen, die den Kurs führen. “Chancen durch die Integration am Arbeitsmarkt”, lautet das Thema. 22 Frauen sitzen im Raum. Die eine Kursleiterin – sie spricht ausnahmslos Deutsch – hat das fachliche im Auge.

Heute etwa geht es darum, den Asylberechtigten beizubringen, wie das hier so läuft in Österreich. Warum Frauen arbeiten dürfen, sollen – ja bisweilen müssen. Und wie sie damit der Gesellschaft, ihren Familien und damit vor allem sich selbst helfen. 

Die andere Frau? Das ist die Dolmetscherin. Sie übersetzt simultan ins Arabische – für diejenigen, die noch nicht alles verstehen, sie sind auf A1-Niveau, sprich: Das Vorstellen klappt, ein einfaches Alltagsgespräch auch. Aber oft nicht sehr viel mehr. 

“Was haben Sie schon beruflich gemacht?”, fragt also die Ministerin die Frauen.

Die Unterschiede sind erheblich: Schulabbrecherinnen sitzen neben ausgebildeten Pharmazeutinnen und Schuldirektorinnen. 

“Die Zielgruppe ist extrem divers”, sagt die Ministerin nach dem Besuch im Workshop.

Im Kreis der Frauen wiederholt sie vor allem eines: “Österreich ist ein Land der Chancen. Bitte nutzen Sie diese, nehmen Sie ihre Integration selbst in die Hand.” 

Die Zuhörerinnen der Ministerin nicken kaum wahrnehmbar. Und das liegt möglicherweise daran, dass sie gerade an ihre Männer denken.

“Denen muss auch jemand sagen, was wir Frauen hier in Österreich alles dürfen”, sagt eine Frau. “Absolut”, antwortet die Ministerin. Und sehr viel später wird sie sagen: “Wir haben noch viel zu tun in der Integration.”