Warten auf den Höhepunkt: Mehr Tests, mehr Ärzte, mehr Betten, mehr Masken

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In Österreich laufen die Vorbereitungen auf den erwarteten Höhepunkt der Corona-Welle. Oberstes Ziel bleibe, dass “die Zuwächse nicht höher werden, als die Spitalskapazität ist”, sagte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne). Die Regierung will heute eine erste Zwischenbilanz über das in der Vorwoche verordnete Maßnahmenpaket ziehen. Die sei zwar durchaus positiv, aber “wir sind noch weitaus nicht dort, wo wir hinwollen”, nahm Anschober vorweg.

Konkret stieg zum Beginn der Corona-Krise die Zahl der Neuerkrankten täglich um bis zu 40 Prozent, am Donnerstag waren es 13,6 Prozent. “Wir wollen klar einstellig werden”, dafür müsse man auch jene fünf Prozent der Bevölkerung überzeugen, die in Sachen soziale Isolation noch immer nicht mitziehen würden.

In den Spitälern profitiere man derzeit davon, dass 87 Prozent der bis Donnerstagabend 6400 Corona-Infizierten dank eines milden Verlaufs zu Hause kuriert werden können. Auf der anderen Seite müssten knapp 100 intensiv betreut werden, 547 seien auf einer normalen Station.

Herwig Ostermann, Chef der Gesundheit Österreich GmbH, legte Prognosemodelle vor, die bis 3. April von 11.000 Corona-Fällen (Schwankungsbreite 15 Prozent) ausgehen. Die Kapazitätsgrenzen von Österreichs Spitälern sieht er bei 30.000 bis 35.000 gleichzeitig Corona-Erkrankten. Insgesamt gibt es bundesweit 2451 Intensivbetten. Auf wie viele Infizierte Österreich zusteuert, lasse sich noch nicht abschätzen, betonte Ostermann.

Massiv aufholen will Anschober bei den Testungen, von denen es bisher 36.000 gegeben hat. Wann das Ziel der Regierung (täglich 15.000 Tests, Anm.) erreicht wird, hänge vor allem von der Verfügbarkeit am Weltmarkt ab. Die Anzahl werde derzeit aber “extrem hochgefahren”, sagte der Virologe Herwig Kollaritsch, um den Zielwert “in wenigen Tagen bis Wochen” zu erreichen. Im Fokus stehen nach wie vor Menschen mit Symptomen und “vulnerable Gruppen”, besonders Spitalsmitarbeiter. Im globalen Wettlauf um dringend benötigtes medizinisches Material meldete der Gesundheitsminister Erfolge. Gestern sei Schutzkleidung eingetroffen, heute folgen elf Millionen Handschuhe, morgen erwartet man Masken.

Um die Kapazitäten der Krankenhäuser vorsorglich zu entlasten, habe man bereits Sonderkliniken mit 12.000 Betten für Patienten mit mildem Krankheitsverlauf eingerichtet. Im Endausbau sollen es 20.000 sein. Und schließlich würden die jüngst beschlossenen gesetzlichen Lockerungen den Spitälern “mehr Spielraum” für die Zeit der Krise geben, sagte Anschober. Für die Zeit der Krise können damit Laboruntersuchungen ohne Ärzte durchgeführt werden. Pensionierte Mediziner können reaktiviert, Fachärzte in anderen Bereichen eingesetzt und Turnusärzte grundsätzlich herangezogen werden.