Zeit zum Lesen: Fünf persönliche Buch-Tipps

0
1

Mit Ken Folletts Trilogie durch das 20. Jahrhundert

Sie haben Zeit? Perfekt! Dann begleiten Sie doch die aufregenden, aber doch normalen Lebenswege mehrerer Familien aus verschiedenen Ländern im 20. Jahrhundert. Sie werden die Familien kennenlernen, deren Wege sich über ein ganzes Jahrhundert hinweg immer wieder kreuzen. Und sie werden nebenbei eine Chronik des 20. Jahrhunderts zu lesen bekommen, die beim Ersten Weltkrieg ansetzt, die Herrschaft der Nationalsozialisten thematisiert und die Geschichte bis hin zum Fall der Berliner Mauer erzählt.

Was Sie brauchen: Zeit für drei dicke Schinken der “Jahrhundert-Trilogie”, die es wert sind, gelesen zu werden. (mala)

Mit André Heller auf einer wortgewaltigen Reise

“Alles ist leichter im Süden. Nur im Süden ist Rettung.” Wenn das nur so einfach wäre, in Zeiten wie diesen…

Auch wenn die Flucht nach Süden im Augenblick keine Option darstellt: Wer in die sprachgewaltige Welt von André Heller in seinem “Buch vom Süden” eintaucht, wird mitgenommen auf die Lebensreise von Julian Passauer im alten Österreich – von dessen Kindheit bis in seine Zeit als reifer Mann, die er (wie könnte es anders sein) im Süden, am Gardasee verbringt. Es sind nicht nur die Bilder, die André Heller erzeugt, die so faszinierend wirken, es ist die Sprache, an der man sich schier nicht satt lesen kann… (rokl)

Wenn Kinder beginnen, eigene Gesetze und Regeln aufzustellen

Ein ungewöhnlicher Debütroman, der nachwirkt: Die 29-jährige Autorin Lucia Leidenfrost aus Frankenmarkt (Bezirk Vöcklabruck) erzählt in einfacher Sprache von 19 Kindern, die erst von den Eltern, später nach und nach von allen anderen Erwachsenen verlassen werden. Das Kollektiv der Kinder entwickelt sein eigenes Gesellschaftssystem, gegen das sich ein Mädchen stemmt, bis es zum Eklat kommt. Ohne Zeit- und Ortsangaben wirkt die Geschichte wie aus der Zeit gefallen, der ständige Perspektivenwechsel zwischen dem Kollektiv “Wir” und Einzelpersonen gibt der Geschichte die besondere Färbung. (lp)

Eine Familie, die von allen nur die “Bagage” genannt wurde

Die Vorarlberger Schriftstellerin Monika Helfer erzählt in ihrem Roman “Die Bagage” die berührende Geschichte ihrer eigenen Herkunft. Diese beginnt, als ihre Mutter noch nicht geboren war. Im Zentrum stehen Helfers Großeltern Josef und die schöne Maria Moosbrugger, die mit ihren Kindern abseits eines Bergdorfes leben und von allen nur “die Bagage” genannt werden. Josef wird in die Armee eingezogen und Maria schwanger: mit Grete, der Mutter von Monika Helfer. In schnörkelloser Sprache erzählt Helfer die Geschichte einer Landfrau im Ersten Weltkrieg und von Geheimnissen mit Nachwehen über Generationen hinweg. (mahu)

Das Schicksal des Schriftstellers Josef Haslinger

Zehn Jahre alt war der bekannte österreichische Schriftsteller Josef Haslinger, als er Schüler des Sängerknabenkonvikts Stift Zwettl wurde. Doch die kirchlichen Mauern boten den Schülern keinen Schutz, im Gegenteil. Haslinger schildert in seinem bewegenden Buch den Missbrauch durch drei Lehrer in seiner Jugend in den 1960er-Jahren. Nicht nur sexueller Missbrauch habe stattgefunden, auch Gewalt sei an der Tagesordnung gewesen. Erst im Herbst 2018 wandte er sich an die “Unabhängige Opferschutzkommission”. Sein Buch ist ein Tatsachenbericht seiner Vergangenheit und zugleich Anklage gegen die bereits verstorbenen Täter. (tst)